Heringshai: der Hai, der mit Treibholz spielt
Laut englischer Wikipedia gibt es Berichte, wie Heringshaie sich in Seetangwedeln wälzen und Gegenstände jagen oder anstupsen — Treibholz und sogar die Ballon-Posen von Anglern. Die Wikipedia nennt das vorsichtig ein offenbares Spiel. Dieser Artikel handelt vom Heringshai, *Lamna nasus* — englisch porbeagle, spanisch marrajo sardinero, italienisch smeriglio, französisch requin-taupe commun (auch maraîche), portugiesisch tubarão-sardo, niederländisch haringhaai, dänisch sildehaj, schwedisch håbrand oder sillhaj, norwegisch håbrann, finnisch sillihai, russisch атлантическая сельдевая акула, türkisch dik burun köpekbalığı (GBIF), griechisch Λάμνα (laut Catalogue of Life auch Λάμια), kroatisch atlantska psina, slowenisch atlantski morski pes (GBIF), albanisch tonil (GBIF), japanisch ニシネズミザメ und arabisch بربيجل (Wikidata). Er ist ein Raubfisch der kalten Meere, im Mittelmeer heute fast verschwunden — und laut englischer Wikipedia ist es seit 2011 verboten, ihn in EU-Gewässern zu befischen. Hier steht, wie du ihn erkennst und warum er, wenn er doch einmal beißt, zurück ins Wasser gehört.
Ein Name voller Rätsel
Beschrieben hat ihn der französische Naturforscher Pierre Joseph Bonnaterre im Jahr 1788, als *Squalus nasus* — auf Grundlage einer Schilderung von Thomas Pennant aus dem Jahr 1769 (englische Wikipedia). *Nasus* ist lateinisch und heißt Nase; laut FishBase wegen seiner mäßig langen, kegelförmigen Schnauze. *Lamna* kommt laut FishBase vom griechischen lamia, einem großen, gefräßigen Hai. Woher das englische porbeagle stammt, weiß niemand genau: Die englische Wikipedia nennt eine Verbindung aus porpoise (Schweinswal) und beagle und eine Herleitung aus dem Kornischen — porth für Hafen und bugel für Hirte; das Oxford English Dictionary findet für die Schweinswal-Deutung keinen Beleg. Der deutsche Name ist leichter zu erklären: Laut deutscher Wikipedia frisst er Schwarmfische wie Makrelen, Heringe und Dorsche — und so heißt er auch dänisch, schwedisch und finnisch nach dem Hering.
Woran du ihn erkennst
Sein Körper ist laut deutscher Wikipedia spindelförmig, mit kegelförmiger Schnauze, fünf langen Kiemenschlitzen und einer halbmondförmigen Schwanzflosse. Das sicherste Merkmal sitzt an der ersten Rückenflosse: Ihre freie hintere Spitze ist weiß oder hellgrau (englische Wikipedia). An der Schwanzwurzel trägt er zwei Kielpaare — einen Hauptkiel und darunter einen kürzeren zweiten —, und seine Zähne haben drei Spitzen: eine mittlere und zwei kleine Nebenspitzen daneben. Genau diese beiden Merkmale trennen ihn vom Kurzflossen-Mako, der laut englischer Wikipedia nur einen Kiel an jeder Seite hat und dessen Zähnen die Nebenspitzen fehlen. Oben ist der Heringshai grau bis schiefergrau, unten weiß; erwachsene Tiere der Südhalbkugel sind unter dem Kopf oft dunkel gefärbt (englische Wikipedia).
- Größe: üblich rund 2,5 m (englische Wikipedia), laut FishBase 244 cm. Bestätigt sind im Nordatlantik Männchen bis 2,5 m und Weibchen bis 3,0 m; die Weibchen werden laut FishBase größer.
- Gewicht: meist bis 135 kg; das schwerste bekannte Tier wog 230 kg und wurde laut englischer Wikipedia 1993 vor Caithness in Schottland gefangen.
- Langsames Leben: Im Nordatlantik werden Männchen laut englischer Wikipedia mit 6 bis 11 Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst mit 12 bis 18. FishBase stuft seine Widerstandskraft als sehr niedrig ein: Ein Bestand braucht mehr als 14 Jahre, um sich zu verdoppeln.
Ein warmer Hai im kalten Wasser
Der Heringshai hält seinen Körperkern 8 bis 10 °C wärmer als das Wasser um ihn — unter den Haien übertrifft ihn darin laut englischer Wikipedia nur der Lachshai. Ein Adergeflecht hinter den Augen hebt die Temperatur von Gehirn und Augen um weitere 3 bis 6 °C. So kann ein Raubfisch dort jagen, wo andere träge werden: FishBase nennt ihn einen Fisch der kalten Breiten und gibt –1 bis 23 °C an; laut englischer Wikipedia hält er sich meist bei 8 bis 20 °C auf, im Nordwestatlantik laut deutscher Wikipedia meist bei 5 bis 10 °C.
Wo er lebt
Laut FishBase lebt er im offenen Meer, wandert weit und kommt von der Oberfläche bis in 1.360 m Tiefe vor, meist aber in den obersten 300 m. Er ist rund um den Globus in den gemäßigten Breiten beider Halbkugeln zu Hause und fehlt in den Äquatormeeren. Sein Hauptgebiet ist laut deutscher Wikipedia der Nordatlantik, von Makaronesien und den Bermudas bis Grönland und Nordnorwegen, einschließlich der Nordsee und selten der westlichen Ostsee; auf der Südhalbkugel lebt er unter anderem vor Südaustralien, Neuseeland und Südafrika. Im Mittelmeer kommt er vor, im Schwarzen Meer nicht. Im Sommer zieht er laut deutscher Wikipedia flach und küstennah, im Winter küstenfern und tiefer; FishBase beschreibt einen Bestand im Nordwestatlantik, der zwischen Neufundland und Massachusetts pendelt. Im Nordpazifik fehlt er — dort füllt laut englischer Wikipedia der Lachshai seine Rolle.
Was er frisst
Laut FishBase frisst er kleine und mittelgroße Schwarmfische des Freiwassers, andere Haie, Kalmare und Grundfische wie Kabeljau, Seehecht, Schellfisch und Lumb. Die englische Wikipedia nennt ihn einen Gelegenheitsjäger, der vor allem Knochenfische und Kopffüßer nimmt, besonders Kalmare; laut deutscher Wikipedia jagt er im Freiwasser wie am Grund. FishBase setzt ihn auf die trophische Stufe 4,6 — weit oben in der Nahrungskette.
Spiel — oder Neugier?
Laut englischer Wikipedia lebt er allein oder in Gruppen, und er zeigt ein Verhalten, das man bei Fischen selten beschrieben findet: Er wälzt sich in Tang, jagt Treibholz und stupst Posen an. Gefährlich ist er für Menschen kaum. FishBase hält ihn wegen seiner Größe für potenziell gefährlich, schreibt aber, er sei selten oder nie an Angriffen auf Menschen oder Boote beteiligt gewesen; das International Shark Attack File zählte laut englischer Wikipedia bis 2009 drei Bisse, einen davon provoziert, keinen tödlichen, zwei davon auf Boote.
Kannibalen vor der Geburt
Der Heringshai bringt lebende Junge zur Welt, ohne Plazenta. Sobald der Dottersack verbraucht ist, fressen die Embryonen laut FishBase die unbefruchteten Eier ihrer Mutter; laut deutscher Wikipedia sind ihre Zähne dafür schon früh funktionsfähig. Ein Wurf umfasst laut FishBase 1 bis 5 Junge, meist vier, jedes 60 bis 80 cm lang; die Tragzeit dauert 8 bis 9 Monate. Die Paarung fällt in den Spätsommer, und FishBase beschreibt sie als Paarbildung mit einer Umarmung. Geboren werden die Jungen laut englischer Wikipedia im Nordatlantik vor allem im April und Mai, auf der Südhalbkugel im Juni und Juli — meist in jedem Jahr.
Warum er zurück ins Wasser gehört
Weltweit führt ihn die IUCN als gefährdet (Vulnerable; laut FishBase bewertet am 6. November 2018). Regional sieht es schlimmer aus: Im Nordwestatlantik gilt er als stark gefährdet, im Nordostatlantik und im Mittelmeer als vom Aussterben bedroht (deutsche und englische Wikipedia). Für das Mittelmeer nennt die englische Wikipedia einen Rückgang um mehr als 99,99 % seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Seit März 2013 steht er auf Anhang II des Artenschutzabkommens CITES, in Kraft seit dem 14. September 2014 (deutsche Wikipedia); FishBase führt ihn außerdem auf Anhang II der Bonner Konvention (CMS). In der EU ist seine Befischung laut englischer Wikipedia seit 2011 verboten, die Fangquote steht auf null; Norwegen schützt ihn seit 2012. In Irland, Großbritannien und den USA schätzen Angler ihn als Sportfisch. Welche Regeln heute an deinem Wasser gelten, prüfst du selbst vor der Ausfahrt — beim Hafenamt, bei der Fischereibehörde, bei deinem Guide oder Skipper. Hakt ein Heringshai, löst du ihn so schonend wie möglich im Wasser.
Fünf Widersprüche, stehen gelassen
- Wie lang wird er? FishBase: höchstens 350 cm. Die englische Wikipedia: eine unbestätigte Angabe von 3,7 m, womöglich eine Verwechslung mit anderen Makrelenhaien; bestätigt sind 3,0 m. Die deutsche Wikipedia: über 3 m.
- Wie tief geht er? FishBase und die englische Wikipedia: bis 1.360 m. Die deutsche Wikipedia: über 700 m.
- Wie alt wird er? FishBase: bis 65 Jahre (eine Schätzung von der Südhalbkugel), im Nordatlantik mindestens 26. Die englische Wikipedia: 30 bis 40 Jahre im Atlantik, vielleicht 65 im Südpazifik, das älteste erfasste Tier war 26. Die deutsche Wikipedia: über 30 Jahre.
- Wie kalt darf es sein? FishBase: –1 bis 23 °C. Die englische Wikipedia: 1 bis 23 °C, meist 8 bis 20 °C. Die deutsche Wikipedia: im Nordwestatlantik meist 5 bis 10 °C.
- Wann ist er erwachsen? Die englische Wikipedia zählt Jahre: Männchen 6 bis 11, Weibchen 12 bis 18. Die deutsche misst Länge: im Nordwestatlantik Weibchen bei 200 bis 250 cm, Männchen bei 150 bis 200 cm. FishBase nennt im Mittel 186,5 cm (170 bis 219 cm).
Drei Namen, die zum falschen Fisch führen
- „Heringshai“, „sildehaj“, „haringhaai“, „smeriglio“. Diese Namen gehören dem Heringshai — aber GBIF führt sildehaj und haringhaai auch für den Kurzflossen-Mako, und laut italienischer Wikipedia wird der Mako im Handel als smeriglio verkauft, obwohl der Name eigentlich dem Heringshai gehört. Wer einen Hai nach diesen Namen bestimmt, schaut auf Kiele und Zähne.
- „Blue shark“, „blue dog“, „tintorera“. GBIF listet diese Namen auch für den Heringshai — sonst aber meinen sie den Blauhai, *Prionace glauca*, dem diese Serie eine eigene Gruppe widmet. In Spanien ist tintorera der Name des Blauhais.
- „Salmon shark“. Auch dieser Name steht in GBIF für den Heringshai, doch der Lachshai ist eine eigene Art, *Lamna ditropis*: seine nächste Verwandte, die laut englischer Wikipedia im Nordpazifik lebt — dort, wo der Heringshai fehlt.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Lebensraum, Beute und Gewohnheiten stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — Licht, Wind, Strömung, Wassertemperatur —, und ob sich ein Tag auf dem Meer lohnt, entscheidet sich genau dort. Das rechnet StrikeAhead aus: Es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man ein fremdes Revier, seine Kanten und seine Regeln nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du hinausfährst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.