Fuchshai angeln: der Hai, der mit dem Schwanz jagt
Am 14. April 1923 stand der Forscher W. E. Allen auf dem Pier der Scripps-Institution in Kalifornien und sah zu, wie ein etwa 2 m langer Fuchshai einen kleinen Fisch mit einem einzigen Schlag seiner Schwanzflosse betäubte — so berichtet es die englische Wikipedia. Diese Flosse ist sein Markenzeichen: Ihr oberer Lappen ist laut FishBase ungefähr so lang wie der ganze restliche Hai oder länger. Mit ihm, schreibt FishBase, treibt er Beute zusammen und betäubt sie. Dieser Artikel handelt vom Gemeinen Fuchshai, *Alopias vulpinus* — englisch common thresher, italienisch squalo volpe oder pesce volpe, spanisch pez zorro oder tiburón zorro, französisch requin-renard commun, portugiesisch tubarão-raposo, niederländisch voshaai, dänisch rævehaj, schwedisch rävhaj, norwegisch revehai, finnisch kettuhai, russisch обыкновенная морская лисица, türkisch saban balığı, griechisch κοινός αλωπίας, japanisch マオナガ (maonaga), arabisch قرش دراس شائع, laut GBIF kroatisch lisica, slowenisch morska lisica und albanisch peshkaqeni dhelpër. Laut englischer Wikipedia führt ihn die International Game Fish Association (IGFA) als Sportfisch — und gerade deshalb geht es hier ums Erkennen und ums Freilassen.
Der Hai, den die Griechen Fuchs nannten
Beschrieben hat ihn laut deutscher und englischer Wikipedia Pierre Joseph Bonnaterre im Jahr 1788, als *Squalus vulpinus* — laut deutscher Wikipedia nach einem Tier aus dem Mittelmeer. 1810 beschrieb Constantine Rafinesque einen vor Sizilien gefangenen Fuchshai noch einmal, als *Alopias macrourus*; nach den Regeln der Nomenklatur gilt der ältere Artname. Der Name ist uralt: *Alopias* kommt laut FishBase vom griechischen alopex, Fuchs, und *vulpinus* ist lateinisch für fuchsartig. Gemeint war die sprichwörtliche List: Laut FishBase glaubte man in der Antike, der Fuchshai schlucke einen Köder samt Haken, bis er die Schnur erreiche, beiße sie durch und entkomme. Laut englischer Wikipedia schrieb schon Aristoteles, gehakte Fuchshaie könnten Angelschnüre durchbeißen und schützten ihre Jungen, indem sie sie verschluckten — beides, so die englische Wikipedia, habe die Wissenschaft nicht bestätigt. Er ist laut englischer Wikipedia eine von drei lebenden Fuchshai-Arten, zusammen mit dem Großaugen-Fuchshai (*Alopias superciliosus*) und dem Pazifischen Fuchshai (*Alopias pelagicus*).
Woran du ihn erkennst
Laut FishBase ein großer Fuchshai mit verhältnismäßig kleinen Augen, gebogenen, schmal zulaufenden Brustflossen und einem auffälligen weißen Fleck über dem Ansatz der Brustflossen: Das Weiß des Bauches reicht dort nach oben. Der obere Lappen der Schwanzflosse ist sehr lang und riemenförmig, der untere kurz, aber gut ausgebildet. Rücken und Unterseite der Schnauze sind braun, grau, blaugrau oder schwärzlich, die Flanken heller, der Bauch scharf abgesetzt weiß; Brust-, Bauch- und Rückenflossen sind schwärzlich, manchmal mit weißen Punkten an den Spitzen.
Der weiße Fleck ist dein bester Hinweis. Laut englischer Wikipedia zieht sich das Bauch-Weiß beim Gemeinen Fuchshai als Band über den Ansatz der Brust- und Bauchflossen, während die Flossen des Pazifischen Fuchshais einfarbig sind; die japanische Wikipedia nennt genau diesen Fleck, um ihn von der sehr ähnlichen ニタリ (nitari, *Alopias pelagicus*) zu trennen. Der Großaugen-Fuchshai verrät sich schon durch den Namen: Die kleinen Augen des Gemeinen Fuchshais nennt FishBase ausdrücklich als Merkmal. Und noch etwas steht in der englischen Wikipedia: Seine rote Muskulatur ist im Schnitt etwa 2 °C wärmer als das Wasser um ihn — er hält mit einem Wärmetauscher, einem Rete mirabile, Wärme im Körper.
- Größe: FishBase nennt 573 cm Gesamtlänge als Maximum, 450 cm als übliche Länge und 348 kg als schwerstes veröffentlichtes Gewicht; geschlechtsreif wird er dort bei rund 351 cm (226 bis 400 cm). Fast die Hälfte dieser Länge ist Schwanz.
- Nachwuchs: Er ist lebendgebärend; nachdem ihr Dottersack aufgebraucht ist, fressen die Embryonen laut FishBase Eier, die die Mutter weiter produziert. Laut FishBase kommen 2 bis 4 Junge zur Welt, meist 2, je 114 bis 150 cm lang. Laut englischer Wikipedia wiegen Neugeborene 5 bis 6 kg, die Tragzeit beträgt neun Monate.
- Wachstum: Junge Fuchshaie wachsen laut englischer Wikipedia rund 50 cm pro Jahr, erwachsene nur noch rund 10 cm.
Wie er jagt — und was er frisst
Laut englischer Wikipedia bestehen rund 97 % seiner Nahrung aus Knochenfischen, vor allem aus kleinen Schwarmfischen: Sardinen, Sardellen, Makrelen, Seehechte, Blaubarsche, Heringe, Hornhechte und Laternenfische. FishBase nennt außerdem Kalmare, Kraken, pelagische Krebstiere und selten Seevögel. Die deutsche Wikipedia beschreibt, wie er Fischschwärme umkreist und mit dem oberen Schwanzlappen hineinschlägt, um Fische zu töten oder zu betäuben; laut englischer Wikipedia jagen Fuchshaie dabei oft zu zweit oder in kleinen Gruppen und schlagen aufs Wasser, um den Schwarm enger zusammenzudrängen.
Nicht jede Geschichte hält stand. Laut englischer Wikipedia berichtete Harry Blake-Knox, er habe im Winter 1865 in der Bucht von Dublin gesehen, wie ein Fuchshai einen verletzten Seetaucher mit dem Schwanz erschlug und verschlang; andere Fachleute bezweifelten das, weil der Schwanz dafür nicht steif genug sei. Für die Angelei wichtig ist ein anderer Satz: Weil der Fuchshai mit dem Schwanz zuschlägt, hängt der Haken oft im Schwanz statt im Maul — das schreiben die englische und die deutsche Wikipedia.
Wo er lebt — und die Kinderstube in der Adria
FishBase: in gemäßigten und tropischen Meeren rund um die Welt, zwischen 74° Nord und 58° Süd, über den Schelfen der Kontinente und Inseln ebenso wie weit draußen im offenen Meer — am häufigsten aber in Landnähe; junge Tiere oft dicht an der Küste und in flachen Buchten. Laut englischer Wikipedia reicht er im Ostatlantik von der Nordsee und den Britischen Inseln bis Ghana, einschließlich Madeira, der Azoren, des Mittelmeers und des Schwarzen Meers. Er zieht dem warmen Wasser nach in höhere Breiten; laut deutscher Wikipedia wandern die europäischen Tiere im Sommer nach Norden bis in Nordsee und Skagerrak. Bevorzugt sind laut englischer Wikipedia 16 bis 21 °C, gelegentlich geht er bis etwa 9 °C hinunter.
Im Mittelmeer nennt ihn die deutsche Wikipedia eine häufige Art, vor allem im Golfe du Lion und vor Spanien, wo regelmäßig Junge zur Welt kommen; die italienische spricht von einer Kinderstube an der spanischen Küste. Eine Studie von Licia Finotto, Alberto Barausse und Carlotta Mazzoldi (*Acta Adriatica*, 2016) sah sich die nördliche Adria an: Von 1997 bis 2013 wurden im Hafen von Chioggia im Schnitt 14 Fuchshaie pro Jahr angelandet, meist zwischen Juli und Oktober — mehr als 75 % davon noch nicht geschlechtsreif, manche unter 10 kg schwer. Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf eine Kinderstube in der nördlichen Adria, und sie verknüpfen das Auftauchen der Haie mit der Menge ihrer Beute, der Sardine.
Gefährdet — und was das an der Angel heißt
Am Haken gilt er laut englischer Wikipedia zusammen mit dem Kurzflossen-Mako — dem diese Serie eine eigene Gruppe widmet — als einer der stärksten Kämpfer unter den Haien; laut deutscher Wikipedia ist er in der Sportfischerei wegen seiner Sprünge aus dem Wasser beliebt. Für Menschen ist er laut FishBase harmlos; einige Angriffe auf Boote werden ihm nur zweifelhaft zugeschrieben, auch wenn die Größe erwachsener Tiere Respekt verlangt.
Wichtiger ist der umgekehrte Blick. Die IUCN führt ihn weltweit als gefährdet (Vulnerable, bewertet am 6. November 2018, FishBase); er steht in Anhang II des Artenschutzabkommens CITES und der Bonner Konvention (CMS). FishBase schätzt seine Widerstandskraft als gering ein: Eine Population braucht 4,5 bis 14 Jahre, um sich zu verdoppeln; die Anfälligkeit für Befischung bewertet FishBase als sehr hoch (77 von 100). Vor Kalifornien ging der Bestand laut englischer Wikipedia innerhalb von drei Generationen um mehr als 50 % zurück; für das Mittelmeer beschreibt die Adria-Studie von 2016 einen deutlichen Rückgang. Welche Regeln heute an deinem Wasser gelten, prüfst du vor der Ausfahrt selbst — beim Hafenamt, bei der Fischereibehörde, beim Guide. Wer einen Fuchshai hakt, lässt ihn so schonend und so schnell wie möglich im Wasser wieder frei.
Sieben Widersprüche, stehen gelassen
- Wie lang wird er? FishBase: höchstens 573 cm, üblich 450 cm. Die englische Wikipedia: meist 5 m, bestätigter Rekord 5,7 m, möglich 6,1 bis 6,5 m. Die deutsche: im Schnitt 3 bis 4 m — und der größte gefangene Fuchshai habe 7,60 m gemessen; dieselbe Zahl nennt die italienische.
- Wie schwer? FishBase: 348 kg als schwerstes veröffentlichtes Gewicht. Die deutsche Wikipedia: 340 kg. Die englische und die italienische: 510 kg, ein 4,8 m langes Weibchen — dazu unbestätigte Berichte von bis zu 900 kg (englische Wikipedia).
- Wie viele Junge? FishBase: 2 bis 4, meist 2. Die englische Wikipedia: im Ostpazifik 2 bis 4 (selten 6), im Ostatlantik 3 bis 7 — und in ihrer Einleitung „typischerweise vier“. Die deutsche: 1 bis 6, im Schnitt 4.
- Wie alt wird er? FishBase nennt 25 Jahre als höchstes berichtetes Alter — und rechnet auf derselben Seite mit einem Höchstalter von 19 Jahren. Die englische Wikipedia: mindestens 15 Jahre, geschätzt bis 45 bis 50. Die deutsche: 15 bis 19 Jahre.
- Wie tief? FishBase: 0 bis 650 m, meist bis 200 m — und an anderer Stelle: pelagisch in 1 bis 366 m. Die englische und die japanische Wikipedia: bis mindestens bzw. etwa 550 m. Die deutsche: über 350 m.
- Wann ist er erwachsen? FishBase: bei rund 351 cm (226 bis 400 cm). Die englische Wikipedia (Nordostpazifik): Männchen bei 3,3 m, Weibchen bei 2,6 bis 4,5 m. Die japanische: bei etwa 260 cm.
- Häufig oder selten im Mittelmeer? Die deutsche Wikipedia: eine häufige Art. Die italienische: ziemlich häufig. Die Adria-Studie von 2016: ein deutlicher Rückgang der Häufigkeit im Mittelmeer. Eine eigene Mittelmeer-Einstufung der IUCN konnten wir nicht direkt nachlesen — deshalb steht hier keine.
Vier Namen, die zum falschen Fisch führen
- „Pesce spada“, „pez espada“, „poisson-épée“. GBIF führt diese Namen regional auch für den Fuchshai — sie meinen sonst den Schwertfisch (*Xiphias gladius*), dem diese Serie eine eigene Gruppe widmet. Die Säbelform des Schwanzes steckt auch im kroatischen sabljorep, „Säbelschwanz“ (GBIF).
- „Thon blanc“ und „loup de mer“. GBIF listet beide französischen Namen auch beim Fuchshai. „Thon blanc“ heißt in Frankreich sonst der Weiße Thun (*Thunnus alalunga*), „loup de mer“ der Wolfsbarsch — beide haben in dieser Serie eigene Artikel.
- „Морская лисица“. Russisch heißt der Fuchshai обыкновенная морская лисица. Steht aber nur „морская лисица“ da, meint die russische Wikipedia damit zuerst den Nagelrochen (*Raja clavata*).
- „Onagazame“ — nicht nur dieser Hai. Japanisch heißt der Gemeine Fuchshai マオナガ (maonaga). オナガザメ (onagazame) ist laut japanischer Wikipedia der Name der ganzen Familie und Gattung — so wie „Fuchshai“ im Deutschen auch den Großaugen- und den Pazifischen Fuchshai meinen kann. Wer sichergehen will, prüft den wissenschaftlichen Namen.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Lebensraum, Beute und Gewohnheiten stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — und ob ein Tag auf dem Wasser lohnt, entscheidet sich genau dort. Das rechnet StrikeAhead aus: Es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man Sardinenschwärme, Strömungskanten und das offene Blau nicht vom ersten Tag an lesen kann — und weil ein Fuchshai, der am Schwanz hängt und freigelassen werden soll, erfahrene Hände braucht —, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du hinausfährst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.